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Spitze ist eben nicht gleich Spitze

Hoffnungen auf eine spannende Frauen-Zeit in der steirischen Arbeiterkammer hat Ilse Löwe-Vogl.

 

Angefangen hatte es mit meiner "harmlosen" Frage nach einer Auflistung aller bezahlten Jobs in der steirischen Arbeiterkammer, fein säuberlich getrennt nach Männlein und Weiblein, von ganz unten nach ganz oben. Zunächst verbal sogar von Männern unterstützt, wurde für die nächste Kontrollausschuss-Sitzung eine entsprechende Liste versprochen. Sogar die oberste Betriebsrätin sollte persönlich Erläuterungen geben. Hoch erfreut über immerhin einige kooperative männliche Ausschussmitglieder verließ ich die Sitzung.

Doch die Freude währte nicht lange. Das sei dann doch wohl nicht das richtige Gremium, um eine solche Frage zu stellen, hieß es plötzlich in der nächsten Zusammenkunft, das wäre nicht Aufgabe des Kontrollausschusses. Erwartete unterschiedliche Ansichten wurden kund getan und endeten mit der Absicht, Rechtsauskünfte einzuholen, Telefonate und Besprechungen zu führen. Offenbar begann es hinter den Kulissen zu rumoren. Da hatte sich eine Frau erfrecht, nicht nur in irgendwelchen Betrieben "draußen im Lande" die ungeliebte Frauenfrage zu stellen, sondern direkt im Inneren der scheinbar sakrosankten Arbeiterkammer genauer hinzuschauen. Das löste offenbar Verwunderung, Bestürzung und eine größere Fragenflut aus. Die Probleme, die sich jetzt stellten, konnte ich mir lebhaft vorstellen: Wie sich jetzt verhalten? Der lästigen Fragerin die Liste zeigen aber damit offenbaren wie es im inneren Gefüge aussieht? Was will sie mit der Liste? Kann sie der Arbeiterkammer schaden? Wie verhalten wir uns? Die Lösung schien ein anberaumtes freundschaftliches Gespräch und das Versprechen, in der nächsten Sitzung eine Zusammenstellung zu zeigen. Und tatsächlich, auf einer großen ausgerollten Leinwand erschien unter anderem kurz die "Liste". Sogar Fragen durften gestellt werden, und ein bisschen mitgeschrieben ... aber die Liste aushändigen? Oh nein, das gehe dann doch zu weit.

Nun, das Wichtigste war festgehalten: Wie erwartet, an den Spitzen Männer, begleitet von einer einzigen Frau in der obersten Besoldungsstufe. Je weiter das Auge auf der Liste nach unten blickt, desto mehr Frauen tauchen auf. Tiefes Durchatmen. So schlimm hatte ich es mir nicht vorgestellt. Sicher, in der Vollversammlung waren mir auf den ReferatsleiterInnenbänken fast nur Männer aufgefallen. Das gab zu denken. Aber versteckten sich vielleicht doch irgendwo noch spitzenmäßig bezahlte Frauen? Weibliche Spitzenarbeitskräfte gebe es schon, wie der Präsident in der Vollversammlung auf Nachfragen erläuterte ... doch Wesentliches blieb unbeantwortet.

Trotz vollmundiger Erläuterungen unter beifälligem Nicken überwiegend männlicher Räte stellen sich dennoch zahlreiche Fragen: Wie hat die Arbeiterkammer in den letzten Jahrzehnten in punkto Frauenförderung in ihrem ureigenen Bereich agiert? Nach welchen Kriterien wurde in all den Jahren eingestellt und befördert? Welche Rolle nimmt der Betriebsrat ein? Wie will die Arbeiterkammer in der Gleichberechtigungsfrage nach Außen hin glaubwürdig sein, wenn sie im Inneren solche Hierarchien zimmert? Fragen, die eine verschämte Antwort erwarten ließen, dachte ich. Doch das Gegenteil war offenbar die beste Verteidigungsstrategie: Ohne erkennbar schlechtes Gewissen trat der Präsident in der Vollversammlung vor die Öffentlichkeit, verkündete sein nun schon so langes Bemühen um Besserung, lobte die Einrichtung eines Frauenreferates unter seiner Regie (hatten die Alternativen GewerkschafterInnen damals zufällig gefordert) und zählte zahlreiche AK-Frauen in Spitzenpositionen auf.

Nun ja, Spitze beim Hackeln ist offenbar nicht gleich Spitze in der Besoldungshierarchie. Ein Blick ins Organigramm beweist zusätzlich: Im obersten Verwaltungsbereich das Verhältnis 6:1 (Männer:Frauen), bei den AußenstellenleiterInnen das Verhältnis 12:2. Der politische Bereich sieht nicht besser aus: Im fünfzehnköpfigen Vorstand befindet sich nur eine einzige Frau. Das Argument, die KandidatInnen würden von den einzelnen Gewerkschaften nominiert, macht die Sache wirklich nicht besser ...

Wie auch immer, unser Antrag auf eine Frauenoffensive in der steirischen AK mit den drei Schwerpunkten:

- die Einstellungs- und Beförderungspraxis in der Arbeiterkammer künftig so zu gestalten, dass das Verhältnis Frauen zu Männern in den höheren Beschäftigungsgruppen ausgewogen wird sowie Frauen bevorzugt einzustellen und zu befördern bis eine paritätische Stellenbesetzung, insbesondere in höher bewerteten Stellen, erreicht ist
- in der AK-Plus-Aktion einen verstärkten Frauenschwerpunkt zu setzen
- regelmäßig in den Vollversammlungen vom Präsidenten ein Bericht über Frauen fördernde Maßnahmen im inneren und nach außen wirkenden Bereich zu bekommen

wurde zunächst (in der Fraktionsvorbesprechung) abgelehnt, dann im Laufe der Vollversammlung doch in den Frauenausschuss verwiesen.

Bleibt zu hoffen, dass fraktionsübergreifende Frauensolidarität noch zu einem guten Ende führt. Eine spannende Frauen-Zeit in der Arbeiterkammer könnte beginnen.