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Sparen total?
Ein Gespenst geht um im KAV, der Spareunfroh!
Es geht nicht mehr um die Versuche kleinlicher Pfennigfuchser, ein
paar Überstunden hier, eine Zulage da einzusparen. Das waren die
Vorübungen, mit denen Personal und Patienten daran gewöhnt werden
sollten. Jetzt - geht’s um’s Ganze!
Von Martha Moser.
Der Spitalserhalter ist die Gemeinde Wien. Die
Gemeinde Wien ist eine Gebietskörperschaft und als solche Träger
der Rechte und Pflichten des Eigentümers der Anstalt. Die Gemeinde
Wien ist aber nur eine juristische Person (was für die Eigentümerfunktion
ausreicht) - hinter ihr stehen die Bürgerinnen und Bürger als physische,
echte, leibhaftige Personen, die sich im Rahmen der juristischen
Person Gemeinde Wien durch - gewählte - Organe vertreten lassen.
Es hat schon seinen Grund, wenn alle wirtschaftlichen Entscheidungen
letztlich - noch! - von demokratisch gewählten Organen getragen
werden müssen.
Die Gemeinde Wien sind ihre Bürgerinnen und Bürger
Die demokratisch gewählten Organe haben - ganz im Sinn der mit
dem Stimmzettel erhaltenen Vollmacht - dafür zu sorgen, daß jedem
(jedem!) Wiener Bürger und jeder (jeder!) Wiener Bürgerin die nach
Maßgabe der verfügbaren Budgetmittel (und zwar nach dem politischen
Willen der Mehrheit, nicht nur des Gesundheitsbudgets!) bestmögliche
medizinische Versorgung zuteil wird. Dazu wurden Milliarden investiert,
um die Anstalten entsprechend auszustatten. Am Baufortschritt des
KFJ können wir das anschaulich verfolgen.
Wir haben die Festreden anläßlich der zahlreichen Grundsteinlegungen,
Dachgleichenfeiern, Eröffnungen nicht vergessen: Wie viele Milliarden
diese Stadt für ihre Bürgerinnen und Bürger aufbringt, um die beste
Versorgung für alle zu garantieren. So pathetisch und geschwollen
das immer klang, so war es doch nur der Rechenschaftsbericht der
gewählten Geschäftsführer vor den wählenden Eigentümern. Und plötzlich
meinen dieselben Geschäftsführer, es sei nunmehr besser, auch die
Leistungen mit radikalem Sparstift zu kürzen! Denn dass die gewaltigen
Einsparungen, wie sie jetzt den Anstalten vom KAV vorgeschrieben
werden, beim Klopapier oder beim Flaschenpfand eingespart werden
können, das glaubt wohl niemand.
Wer will denn sparen?
Wer als Personalvertreter, als Gewerkschafterin durch die Anstalt
geht, mit den Menschen spricht und die Sparefrohs sucht, wird enttäuscht.
- Wo ist die Schwester, die aufatmet, weil sie - endlich - ihre
Zulagen gekürzt sieht?
- Wo ist der Arzt, der lieber mehr und länger für weniger Geld arbeiten
will?
- Welcher Hausarbeiter räumt freiwillig seinen Dienstposten für
den lohndrückenden Kollegen vom Personalbereitstellungsservice?
- Welcher Patient weist den behandelnden Arzt an, bei ihm zu sparen?
- Welche Wöchnerin beruhigt es, wenn ausgerechnet bei ihr und ihrem
Kind gekürzt wird?
Zugegeben, die Fragen sind blödsinnig. Aber wer ist es dann, der
unbedingt sparen will? Eine Frage, die wohl nur die Generaldirektion
beantworten kann. Aber vielleicht hilft es, die Frage anders zu
stellen.
Für wen soll gespart werden?
Wir wissen, bei wem gespart werden soll. Aber auch wenn in den
vergangenen Jahren das Personal die größten Opfer zu tragen hatte,
das Anstaltspersonal wird wieder zur Kasse gebeten werden. Nur wird
das diesmal - zur Erfüllung der Vorgaben der Generaldirektion des
KAV - bei Weitem nicht ausreichen. Mit der unvermeidbaren Einschränkung
medizinischer Leistungen wird das auch die Patientinnen und Patienten
treffen. Die nächsten Opfer sind also nicht mehr nur die Wienerinnen
und Wiener, die gleichzeitig. Im Spital arbeiten, sondern die Wienerinnen
und Wiener, denen das Spital eigentlich gehört! Aber die werden
so wenig gefragt, wie die Bediensteten.
Einer wird gewinnen
Suchen wir einmal nach den Begünstigten. Wir dürfen dabei nicht
zu weit unten in der Hierarchie aufhören. Sonst könnten wir die
wichtigsten Gewinner der Sparwelle übersehen.
Heben wir den Blick in die wirklichen Gipfelregionen der Spitalshierarchie.
Nicht nur bis in die Kollegiale Führung des Hauses. Weiter! Noch
weiter! Das reicht über die Generaldirektion bis hinein in die Politik
und noch weiter in die Banken- und Versicherungsszene. Auch wenn
es antiquiert klingt - es ist moderner denn je: Das anonyme Großkapital
wird gewinnen. Und wen immer sie dazu brauchen, den werden sie auch
gut bezahlen. Damit die, die sie nicht brauchen, leichter raus fliegen.
Sie bezahlen die Zeitungen und ihre Schmierer, die uns einreden,
dass es so nicht weiter geht. Sie bezahlen die Politiker, die uns
verraten und Bürgereigentum verschleudern. Sie bezahlen die Spitzenmanager,
die vollstrecken, was die internationalen Geldjongleure sich ausgedacht
haben.
Und wir schau’n zu! Oder doch nicht?
Noch gibt es Gewerkschaften und noch gibt es intakte Interessenvertretungen!
So mancher, so manche hat sich in der Vergangenheit zwar gedacht:
Den Gewerkschaftsbeitrag kann mann/frau ohne Schaden sparen. Aber
nun müsste auch für politisch etwas "Uninteressierte" offenkundig
sein, dass der Gewerkschafter, die Betriebsrätin, die Personalvertretung
vielleicht doch nicht so funktionslos sind.
Je offenkundiger ist, wer die Rechnung für die "andere Politik"
bezahlt, desto mehr wird die Entscheidung, der Gewerkschaft beizutreten,
in ihr mitzuarbeiten, zum Intelligenztest und zur Nagelprobe der
Anständigkeit. Solidarität ist wieder gefragt! Auch Deine - und
jetzt erst recht!
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