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Budgetpolitik in blau-schwarz (1. Teil):
Und ewig kracht's im Gebälk
Die neue Bundesregierung will viel: Budget sanieren,
Familien, Landwirtschaft, Unternehmen und Militär fördern,
kleine Männer schützen und dann auch noch Wahlen gewinnen.
Wie das funktionieren soll, weiß keiner so recht.
Von Markus Koza.
Nun, kleinen Männern
- zumindest einem kleinen Mann - hat diese Regierung schon genützt.
Er wurde Bundeskanzler von Haiders Gnaden. Er hat Visionen, braucht
dementsprechend keinen Arzt und erspart dem Steuerzahler damit einmal
zumindest seine Behandlungskosten: er möchte Österreich
zum Familienstandort machen, will Bäuerinnen und Bauern noch
mehr fördern und die Unternehmen von Steuern und Abgaben endgültig
befreien. ArbeitnehmerInnen sind ihm verhältnismäßig
wurscht, klein ist er selber und Frauen sollen Kinder kriegen. Dafür
bekommen sie auch in Bälde Kindergeld. Wenn, ja wenn ... Denn
so einfach wirds dann wohl doch nicht gehen, mag das Mascherl noch
so Krawattl'n.
Konservative gegen Konservative, Runde zwei
Wer hätte das gedacht: der Internationaler Währungsfonds
(IWF), alles andere als ein Hort des Fortschritts, sagt hin und
wieder doch ein paar ganz g'scheite Sachen. Diese haben zwar Seltenheitswert,
sind diesmal jedoch tatsächlich brauchbar. Denn Österreich
hat ein Problem: Es ist der Europäischen Währungsunion
beigetreten, verfolgt eine Hartwährungspolitik, ist aber bei
der Budgetsanierung nicht so eifrig, wie es sein sollte. Über
Sinn und Unsinn der Maastricht-Kriterien wurde schon viel geschrieben.
Eher dominiert der Unsinn, geprägt von neoliberalem, monetaristischem
Gedankengut. Insbesondere der Fetisch Währungsstabilität
mit den daraus resultierenden hohen Realzinssätzen und der
Öffnung der Finanz- und Kapitalmärkte hat die Verschuldenskrise
und den daraus resultierenden Druck auf die Budgets verstärkt.
Tatsache ist jedoch, daß eine hohe Staatsverschuldung negative
verteilungspolitische Auswirkungen hat. Hohe Zinsen und geringe
Inflationsraten führen zu hohen Zahlungen, die die Budgets
belasten: so betrug der Zinsaufwand für das Jahr 1999 die stolze
Summe von 91,4 Milliarden Schilling, immerhin 20,3 Prozent der Steuereinnahmen.
Und somit zurück zum IWF: dieser übt scharfe Kritik an
der Budgetpolitik der Regierung - insbesondere kritisiert er die
(geplante) Ausgabenpolitik des Bundes und zwar in den Bereichen
- und siehe da, eher unerwartet - Familien, Landwirtschaft und Militär.
Und dann noch eine Watschen für die Konservativen: auch die
Wohnbauförderung, Liebkind schwarzer LandesfürstInnen
und der Finanzausgleich werden kritisiert. Insbesondere das Kompetenzwirrwarr
zwischen Bund, Länder und Gemeinden verschlingt an die zehn
Milliarden Schilling. Damit werden sämtliche schwarzen Steckenpferde
massiv angegriffen und in Frage gestellt. Und die geplanten Lohnnebenkostensenkungen,
die - ebenfalls bekannterweise - zulasten der ArbeitnehmerInnen
gehen würden, finden ebenfalls nicht die gebührende Anerkennung,
wie sie von konservativen Institutionen wie dem Währungsfonds
zu erwarten wären. Dieser fordert nämlich ausgerechnet
die Senkung der Beiträge zum Familienlastenausgleichfonds.
Also nix mit Karenzgeld für alle, die weiß sind. Nix
Familienstandort. Und nix mit Geschenken an Bauern, Unternehmer
und Militärs.
ÖGB und AK haben die verteilungspolitischen Auswirkungen
der Budgetsanierungsmaßnahmen von blau-schwarz bereits ausreichend
dokumentiert und kritisiert. Die Belastungswelle für Unselbständige
über die Erhöhung der Abgaben auf Strom, Tabak und KfZ,
die Gebührenerhöhungen bei Reisepässen und Personalausweisen
sowie die Vorschläge bei der Pensionsreform seien hier nur
kurz erwähnt. Weiter Belastungen, die insbesondere die unteren
Einkommensschichten treffen werden sind geplant, wie die Erhöhung
der Umsatzsteuer von 20 auf 22 Prozent. Nettes Detail am Rande:
daß ausgerechnet ein freiheitlicher Finanzminister, dessen
Partei die EU lieber heute als morgen loshaben würde, gerade
jene Steuer erhöht, aus der die EU-Beiträge hauptsächlich
finanziert werden, ist zumindest amüsant.
Budgetkonsolidierung in Österreich: Management
by Chaos
Die überwiegende Zahl der EU-Staaten erwirtschaftet inzwischen
Budgetüberschüsse. Das Netto-Defizit aller EU-Staaten
liegt bei minus 0,3 Prozent, damit ist die EU der Zielsetzung ausgeglichener
Haushalte sehr nahe gekommen. Österreich liegt mit einem Budgetdefizit
von (veranschlagten) 1,7 Prozent für das Jahr 2000 an letzter
Stelle. Diese Neuverschuldung geht jedoch davon aus, daß Länder
und Gemeinden einen Überschuß von 0,5 Prozent des BIPs
erwirtschaften - was jedoch angesichts des Wegfalls der Getränkesteuer
und neuer Aufgaben (z. B. Bürgergeld für Langzeitsarbeitslose)
eher unwahrscheinlich ist. So geht das Wirtschaftsforschungsinstitut
(WIFO) eher von einer Neuverschuldung in Höhe von zwei Prozent
des BIPs aus. Die Sparpakete, der Sozialabbau, alles umsonst?
Bruno Rossmann, Budgetexperte der AK veröffentlichte in der
letzten Ausgabe 5/2000 der Zeitschrift "Arbeit & Wirtschaft"
einen bemerkenswerten Artikel zu den Problemen österreichischer
Budgetpolitik. Lob gibt's da für die Finanzminister der letzten
Jahre wenig. Kurzfristige Konsolidierungserfolge wurden häufig
verspielt, weil es in der österreichischen Budgetpolitik an
Konsequenz und Konzeptionen mangelt. Drei Ursachen für die
mießliche budgetäre Lage sieht Rossmann:
- Viele Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung waren Einmaleffekte.
Darunter sind vor allem Erlöse aus Privatisierungen, Rücklagenauflösungen,
Sonderdividenden, Abschöpfen von Fondsüberschüssen
usw. zu verstehen. Das Jahr 2000 ragt hier besonders heraus - sechzig
Prozent der Konsolidierungsmaßnahmen liegen in diesem Bereich:
So sollen Staatsanteile an Unternehmen verkauft werden, werden Überschüsse
aus dem Familienlastenausgleichfonds, dem Insolvenzlastenausgleichsfonds,
dem Wasserwirtschaftsfonds zur Budgetsanierung herangezogen. Nachhaltige
Budget-, geschweige denn Wirtschaftspolitik (insbesondere was die
Privatisierungen betrifft) ist das wirklich nicht. Derartige Maßnahmen
stellen nichts anderes als nicht wieder gutzumachende Überbrückungshilfen
dar, die an strukturellen Budgetproblemen jedoch nichts ändern.
- Der sogenannte "politische Konjunkturzyklus" (wahlkampfbedingte
Geschenke an bestimmte Bevölkerungsgruppen) dürfte in
Österreich ausgeprägter sein als in anderen Staaten. Die
Erfindung neuer Leistungen wurden mehr zielgruppenspezifisch als
konzeptionell geplant. Insbesondere die letzte Steuerreform (Steuersenkungen
bei allen Unselbständigen bei gleichzeitiger Abschaffung der
Börsenumsatzsteuer und einem nicht finanzierbaren Familienpaket)
ist ein gutes Beispiel dafür. Weniger Steuereinnahmen bei höherer
Familienförderung - das muß schiefgehen!
- Als dritte Ursache werden vor allem Strukturprobleme genannt.
Diese sind vielschichtig. Ein Problem liegt in der Einnahmenpolitik:
die Hauptlast der Abgaben tragen Unselbständig Beschäftigte
und KonsumentInnen, während UnternehmerInnen (insbesondere
Kapitalunternehmen) und VermögensbesitzerInnen einen geringen
bis gar keinen Beitrag zum Steueraufkommen beitragen. Von einer
Ökologisierung des Steuersystems ganz zu schweigen. Ausgabenseitig
werden die Strukturprobleme vor allem in den Bereichen der Aufgabenteilung
zwischen Bund, Länder und Gemeinden, in den Pensions- und Sozialversicherungssystemen
sowie im Gesundheitswesen gesehen. Zusätzlich werden die Handlungsspielräume
im Budget deutlich eingeschränkt: Ein Drittel der öffentlichen
Abgaben sind alleine beim Bund zweckgebunden! Zusammen mit den hohen
Staatsschuldenleistungen führt dies zu erheblichen Einschränkungen
budgetärer Handlungsspielräume. Die Budget- und Steuerpolitik
der letzten Jahre war von Sparpaketen hier und Steuergeschenken
dort geprägt. Die soziale Schieflage gab es schon lange vor
Blau-Schwarz. Die Belastung unterer Einkommensgruppen, die Steuererleichterungen
für Unternehmen und Vermögende sind nichts Neues, sondern
schon lange österreichische Realität.
Der zweite Teil dieses Artikels wird sich mit möglichen Ansätzen
einer fortschrittlichen Budget- und Steuerpolitik, sowie strukturellen
Reformen auseinandersetzen, die vor allem die Aspekte einer gerechteren
Verteilungspolitik sowie der Nachhaltigkeit ins Zentrum der Politik
rücken sollen. Dabei sollen auch europäische Perspektiven
angerissen werden.
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