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Wer krank ist, hat verloren ...

Wer bei der Gemeinde Wien krank wird, hat einiges zu verlieren.

Von Gerhard Winter.

 

Ich habe einfach genug davon! Genug von der Argumentation des Dienstgebers, der Krankheit als Anlass nimmt, Dienstbeurteilungen herabzusetzen, Überstellungen in höhere Dienstklassen zu verhindern, Remunerationen nicht zu gewähren. Genug!

Geredet ist bald etwas, geschrieben auch - nur gelebt nicht! Es gibt einen einstimmigen angenommenen Antrag vom 14. Gewerkschaftstag der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten: "Antrag II/13.: Der 14. Gewerkschaftstag der GdG fordert, dass Krankheit nicht automatisch eine Verschlechterung der Beurteilung, Leistungsfeststellung bzw. Dienstbeschreibung nach sich ziehen darf." So weit so gut. Aber wieso höre ich dann aus den Reihen von Personalvertretern immer wieder Sätze wie "... die MA2 hat auch ihre Richtlinien ..." oder "... der oder die war ja wirklich lange krank ...". Solange wir da nicht einig sind und einige weiter selbst versuchen zu beurteilen, ob jetzt ein Krankenstand gerechtfertigt war oder nicht, hat der Dienstgeber leichtes Spiel. Wie sonst könnte es zu diesen Schreiben der Personaldirektion kommen, die einem jährlich in die Dienststelle flattern und die einem die durchschnittliche Zahl der Krankenstandstage zur Kenntnis bringen? Liegt der Schnitt dieser Zahl über dem Magistratsdurchschnitt, dann gesellt sich noch der Satz "Mit geeigneten Maßnahmen zu einer Reduktion der Krankenstände könnte Ihre Dienststelle nicht nur zur Gesundheitsförderung Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beitragen, sondern auch die Dienstleistungsbereitschaft Ihrer Dienststelle erhöhen bzw. allenfalls auch die Personalkosten Ihrer Dienststelle reduzieren." hinzu. Wir haben in unserer Dienststelle (leider ohne Unterstützung der FSG) dann ein Schreiben an die Personaldirektion gerichtet, in dem u.a. folgende Passagen enthalten sind: "... Die unterzeichneten KIV Personalvertreter der MA 59 sind der Meinung, dass Menschen nicht gerne krank werden und von sich aus an ihrer Gesundung interessiert sind. Eine Aufforderung zu einer schnelleren Heilung oder Reduktion der Krankenstände erscheint daher nicht sinnvoll. Es erscheint auch bedenklich, dass Krankenstände und Kuraufenthalte - die von Humanmedizinern als gerechtfertigt qualifiziert wurden - jetzt von der MPD offensichtlich in Zweifel gezogen werden ..." und "... Kranke Menschen wollen gesund werden, sie brauchen Hilfe und Unterstützung und nicht "geeignete Maßnahmen zu einer Reduktion der Krankenstände ...".

Das Antwortschreiben des Herrn Bereichsdirektors Dr. Kassar kann ich nicht zur Gänze wiedergeben, aber er dreht einfach den Spieß um und unterstellt uns, es sei uns kein Anliegen, Krankenstände zu reduzieren und wir hätten kein Interesse an der Frage der Dienstleistungsbereitschaft für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Wien.

Aber im Schreiben der Personaldirektion es geht noch eine Spur zynischer "... werde mich aber weiter nicht davon abhalten lassen, für gesundheitsfördernde Maßnahmen zu Gunsten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzutreten ..." In einem zweiten Schreiben haben wir dann die Frage gestellt, weshalb dann Kuraufenthalte - die ja eine gesundheitsfördernde Maßnahme sind - in diese Krankenstandsstatistik eingerechnet werden. Auf dieses zweite Schreiben gibt es keine Antwort. Ein ganz aktueller Fall zu dem Thema Krankenstände hat sich gerade in unserer Dienststelle ereignet. Der Überstellung einer Kollegin in eine höhere Dienstklasse wurde wegen der Krankenstände aus den Jahren 1997 und 1998 nicht stattgegeben. Ein Appell an den Dienststellenleiter und im Ausschuss an die FSG für die Kollegin verstärkt zu intervenieren, verlief ergebnislos. Was da an Energie verschwendet wurde, um zu erklären, warum etwas nicht geht und das für die Kollegin alles so besser ist, wie es gerade läuft, ist direkt unglaublich. Aber alleine kommen wir nicht weiter. Wir haben als KIV ein Schreiben an die MA 2 geschickt, mit dem Ersuchen, ihre ablehnende Haltung noch einmal zu überdenken. Da gibt es nicht einmal den Ansatz, sich mit dem Problem auseinander zusetzen! Lapidar hat die MA 2 mitgeteilt, unser Schreiben an den Dienststellenausschuss der MA 59 weitergeleitet zu haben. Na toll! Danke auch!

Aber wie gesagt, ohne Einigkeit geht da nichts. Es wird mir niemals einleuchten, wie Krankheit für eine Schlechterstellung der Kolleginnen und Kollegen herangezogen werden kann. Und wir sitzen und lassen geschehen, lassen mit uns geschehen. Wenn sich da nichts ändert, werden sie uns weiter so behandeln. Aber wie sagt schon der sarkastische Calvera in dem Western-Film "Die glorreichen Sieben": "... wenn es schon Schafe auf der Welt gibt, wird Gott sie auch zum Scheren bestimmt haben ..."