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Die Private Pensionsfalle
Die Pensionssysteme werden in Europa Schritt
für Schritt umgebaut. Die bisher staatliche Rentenversicherung
soll der privaten Pensionsvorsorge weichen. Künftige PensionistInnen
werden den Launen der Finanzmärkte überlassen. Das Risiko
des Alterns steigt.
Von Markus Koza.
Die rot-grüne Koalition in Deutschland feiert
ihre Pensionsreform. Künftig soll die private Pensionsvorsorge
ein wichtiger Bestandteil der Altersvorsorge sein. Denn das öffentliche
Pensionssystem ist nicht mehr finanzierbar und geht zu Lasten der
Jungen. So wird argumentiert.
In Österreich geht der Umbau des Pensionssystems ebenfalls
munter voran. Das Drei-Säulen-Modell der FPÖ (staatliche
Grundpension, private sowie die betriebliche Pensionsvorsorge) bekommt
immer konkretere Formen. Die Kürzung des Arbeitnehmerabsetzbetrages
findet im Falle einer privaten Altersvorsorge nicht statt (wird
sozusagen von staatlicher Seite günstig verzinst), die Abfertigungen
sollen in Betriebspensionen umgewandelt werden. Auf europäischer
Ebene läßt die angekündigte engere Zusammenarbeit
der Finanzminister - an und für sich ein wichtiges Projekt
um der Europäischen Zentralbank ein wirtschaftspolitisches
Gegengewicht gegenüberzustellen - bei den gesteckten Zielen
Schlimmes vermuten: es soll vor allem in den Bereichen der Strukturreformen,
der Steuerpolitik und der Pensionssysteme eine umfassende Koordination
und Bewertung geben. Grasser freut sich schon darauf, wird doch
der kollektive Druck auf einzelne Finanzminister, "Frühpensionierungen
zu verhindern und Ausgaben einzuschränken" (Standard, 29. November
2000) erhöht werden. Die Umstellung auf stärker privat
finanzierte Pensionssysteme wird unter dem Druck Budgetdefizite
abzubauen und angesichts der fundamentalistischen Marktgläubigkeit
weiter zunehmen.
Vom Umlage- zum Kapitaldeckungsverfahren
Das österreichische Pensionssystem finanziert sich im Kern
mittels des sogenannten Umlageverfahrens: die versicherten ArbeitnehmerInnen
bezahlen die Rente von heute und erwerben dadurch den Anspruch,
daß auch ihre Renten von den zukünftigen ArbeitnehmerInnen
bezahlt wird. Es ist sozusagen ein Solidarsystem zwischen der jüngeren
und der älteren Generation ("Generationenvertrag"). Zugleich
findet auch aus dem Budget eine Mitfinanzierung der Pensionen statt.
Auch wenn dieses System seine Schwächen hat (Erwerbsabhängigkeit
des Pensionsanspruchs, könnte durch Einführung einer steuerfinanzierten
Grundsicherung behoben werden) garantiert es soziale Rechte durch
die Solidarität der wirtschaftlich Aktiven mit den wirtschaftlich
nicht mehr Aktiven. Die Einbeziehung der ArbeitgeberInnen in die
Pensionsversicherungssysteme fordert auch eine gewisse "soziale
Verantwortung" von seiten der Unternehmen zur Sicherung der Altersversorgung
ein.
Das umlagefinanzierte Pensionssystem steht jedoch vor Problemen:
die demographische Entwicklung, die Zunahme von größtenteils
nicht sozialversicherungspflichtigen prekären Arbeitsverhältnissen,
sowie strukturell hohe Arbeitslosenzahlen haben das Verhältnis
Erwerbstätige-Rentner in den letzten Jahren zu ungunsten der
Erwerbstätigen verschoben. Das wäre an sich kein Problem,
würde mit den Produktivitätsgewinnen die erzielt werden,
die Einkommen der Unselbständigen und damit die Finanzierungsbasis
steigen. Und gäbe es ein stärker umverteilendes Steuersystem,
das die Budgetzuschüsse zu den Pensionsversicherungen sichern
würde.
Die Realität sieht jedoch anders aus: Produktivitätsgewinne
kommen fast ausschließlich den Unternehmen zugute, die Einkommen
der Unselbständigen stagnieren, die Zuschüsse zu den Pensionsversicherungen
seitens des Budgets werden unter dem (teilweise selbstauferlegten
Druck) zur Budgetsanierung reduziert. So wird eben keine offensive
Verteilungsdebatte geführt, sondern die Unfinanzierbarkeit
des Pensionssystems getrommelt und die Einführung einer kapitalgedeckten
Pensionsvorsorge zur Sicherung des Alterswohlstands als unausweichlich
propagiert.
Riskante Zukunftssicherung
Künftig sollen ArbeitnehmerInnen neben dem gesetzlichen Pensionsbeitrag
auch privat vorsorgen. Warum für die Einzelne einerseits die
private Vorsorge praktisch selbstverständlich werden muß,
andererseits jedoch Beitrags- oder Steuererhöhungen zur Alterssicherung
ausgeschlossen sind, muß einmal erklärt werden, wird
aber nicht. Die ArbeitnehmerInnen sollen also ihren persönlichen
Kapitalstock ansparen, der ihnen zu Beginn ihrer Rentenzeit eine
bestimmte Auszahlung in der Zukunft sichern soll. Es kommt zu einer
Privatisierung der Altersvorsorge, wird sie doch in die Hände
von Versicherungen, Banken und Pensionsfonds gelegt.
Hier kommen nun die Finanzmärkte ins Spiel: Die eingezahlten
Beiträge werden von den Pensionsfonds gewinnbringend veranlagt.
Zwar gibt es auf nationaler Ebene unterschiedliche Richtlinien inwieweit
das Portfolio (die Zusammensetzung des Wertpapierpools) international
diversifiziert werden darf (also wie viel international gehandelte
Wertpapiere enthalten sein dürfen), eine Beschränkung
auf nationaler Ebene gibt es meist nicht.
Nun sind diese Veranlagungen aber den Stabilitätsrisken der
Finanzmärkte ausgesetzt. Deren Schwankungen sind auf Dauer
nicht berechenbar, schon gar nicht auf einen Zeitraum von drei Jahrzehnten
- so lange muß schließlich die Alterssicherung der heute
Aktiven geplant, gedacht und garantiert werden. Bei jeder großen
Finanzkrise entsteht also die Gefahr, daß die Pensionsfonds
nur minder oder gar nicht zahlungsfähig werden! Vor allem aber
müssen private Pensionsversicherer eine gewisse Verzinsung
garantieren, laufende Pensionszahlungen zu decken, sowie gegenüber
anderen Anbietern konkurrenzfähig bleiben. Sie müssen
also darüber hinaus Gewinne erwirtschaften um im Wettbewerb
weiter bestehen und expandieren zu können. Das verführt
natürlich zu riskanten Anlagestrategien.
Neoliberales Projekt Privatpension
Wo sind jedoch hohe Gewinne zu erzielen? In den industrialisierten
Staaten wohl kaum, wird doch die Kapitalschwemme (hier ist von zig-Milliarden
die Rede, die in die Pensionsfonds fließen) zu tendenziell
eher geringeren Aktienrenditen führen, bzw. können die
nationalen Kapitalmärkte diese Mengen gar nicht aufnehmen.
Es kommt zu einer Internationalisierung und zu einer Veranlagung
in Entwicklungs- und Schwellenländern, die noch hohe Renditen
erwarten lassen. Pensionsfonds haben auch tatsächlich erheblich
zur Dynamik transnationaler Kapitalbewegungen in den neunziger Jahren
beigetragen. Nun müssen Pensionsfonds zwar einerseits eine
gewisse Risikobereitschaft zeigen (aus oben erwähnten Gründen),
zugleich aber auch den Sicherheitsbedürfnissen der EinzahlerInnen
Rechnung tragen. Aus diesem Grund sind sie auch die ersten, die
sich bei tatsächlichen oder vermeintlichen Krisen aus den Kapitalmärkten
dieser Länder zurückziehen. Kapitalflucht führt dann
erst so richtig zu den Krisen bzw. verstärkt diese. Die Folgen:
Harte Sanierungsprogramme des IWF zur Stabilisierung der Märkte,
einhergehend mit Privatisierungen, Deregulierungen, Marktöffnungen
und sich verstärkender Armut um Schwellen- und Entwicklungsländer
für internationale Anleger wieder attraktiv zu machen. So finanzieren
die Armen der "Dritten Welt" die Pensionen der ArbeitnehmerInnen
der Industriestaaten. Aber auch diese kommen nicht ungeschoren davon
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