IV/UG: „Pflege ist nicht gleich Pflege!“

Konsequente Interessenvertretung solidarisiert sich mit Pflegepersonen im Privatbereich und unterstützt ihre Forderung nach Arbeitszeitverkürzung.

„Die Angehörigen des Pflegeberufes im unteren Tätigkeitsfeld erfahren jede Minute seelische und körperliche Überlastung. Eine Arbeitszeitreduktion auf 35 Stunden pro Woche kann daher nur der erste Schritt in die richtige Richtung sein“, bestätigt Biju Onatt, Sprecher der KIV/UG – Konsequente Interessenvertretung der Unabhängigen GewerkschafterInnen in der Younion im Bereich Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV). Abhängig von dem Umfeld, in dem Pflege stattfindet, hat jede/r eine andere Vorstellung davon, wie sie aussehen soll. Die Gründe, warum heute immer weniger Menschen diesen Beruf wählen, sind allerdings oft dieselben.

 

 

 

 

Schaffung von gesunden Arbeitsbedingungen ist Aufgabe der Politik

"Jede Organisation in dieser Branche hat nicht erst einmal die unerträglichen Arbeitsbedingungen in der Pflege kritisiert. PolitikerInnen sind da nicht ausgenommen. Sobald sie aber  in der Regierung und  somit in der Verantwortung sind, wird die eigene Forderung nicht mehr umgesetzt“, kritisiert Onatt, der selbst diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger ist. „Es ist fünf vor Zwölf. Unsere KollegInnen, die sich bereits aus der Gesundheits- und Krankenpflege verabschiedet haben, sollen zurückgeholt werden. Mit einer besseren Entlohnung alleine ist es in der heutigen Zeit allerdings kaum mehr möglich, sie wieder in den ursprünglichen Beruf einzugliedern. Das wird nur noch in Verbindung mit einer Reduktion der Arbeitsbelastung funktionieren“,  appelliert Onatt.

Zu geringes Mitspracherecht minimiert Zufriedenheit

„Jeder und jede an der Basis weiß, wie anstrengend der ständige Zeitdruck ist. Wenn unser Pflegepersonal pro Pflegehandlung nur eine Minute mehr hätten, wäre die Arbeit erträglicher“, weiß Biju Onatt. Rückmeldungen der Betroffenen gelangen aber leider nicht bis in die oberste Führungsebene. Die jeweiligen Pflegeleitungen könnten dabei zu einer höheren Zufriedenheit beitragen. „Dazu muss vor allem die Umgangsart mit dem Basispersonal  überdacht werden.  Bemerkungen wie „Deine Kinder interessieren uns nicht“, oder „Wenn es dir nicht passt, dann kannst du ja gehen – draußen warten Andere“ sind kontraproduktiv, kritisiert Onatt.

Seelische Gesundheit ist die Voraussetzung!

„Anders als in sonstigen Berufen ist die seelische Gesundheit das primäre Arbeitsmittel in der Pflege. Daher muss dieser Faktor sorgfältig gepflegt werden. Da spielen die Verantwortlichen in der Führung bzw. in der Politik eine wesentliche Rolle“, stellt Onatt fest. Daher unterstützt die KIV/UG die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden pro Woche bei vollem Gehalt in sozialen Berufen mit KlientInnenkontakt und im Pflegebereich mit
PatientInnenkontakt.