Alles flexi oder was?

Paiha, AUGE/UG: „Flexibel sind wir schon genug – jetzt braucht es Arbeitszeitverkürzung!“

Arbeitszeit-Flexibilisierungsdebatte geht in vollkommen falsche Richtung.

„Hört man den ApologetInnen einer Arbeitszeitflexibilisierung – sprich Arbeitszeitverlängerung – zu, muss man geradezu den Eindruck bekommen, Österreich sei bei Arbeitszeitregelungen an Starrheit und Unflexibilität kaum mehr zu überbieten. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Es gibt zahlreiche Regelungen die ein Überschreiten täglicher und wöchentlicher Normalarbeitszeiten erlauben, es gibt flexible Überstundenkontingente, Sonderregelungen für Schichtarbeit und vieles mehr,“ stellt Klaudia Paiha, Bundessprecherin der AUGE/UG – Alternative, Grüne und Unabhängige GewerkschafterInnen klar.

„Es besteht kein Mangel an Flexibilität, vielmehr ist das Ausufern von Arbeitszeiten und die damit einhergehende, immer ungleicher werdende Verteilung von Arbeit kaum mehr in den Griff zu bekommen.“

Arbeitszeiten: „Wir haben ein Verteilungs-, kein Flexibilitätsproblem“

„Mit durchschnittlich 41,6 Wochenstunden liegen Österreichs Vollzeitbeschäftigte auf Platz 3 in der EU. 2014 wurden 268 Millionen Überstunden geleistet. Einmal mehr zeigt sich, wie ‚flexibel‘ ArbeitnehmerInnen in Österreich längst sind. Oft auf Kosten ihrer Gesundheit, ihres Familien- und Privatlebens,“ so Paiha weiter. Gleichzeitig boomt Teilzeit mit Einkommen und einer sozialen Absicherung, die vielfach nicht zum Leben ausreichen und schnellen die Arbeitslosenzahlen in die Höhe. „Es gibt bei den Arbeitszeiten kein Flexibilitäts-, sondern ein Verteilungsproblem. Darum brauchte es dringend eine Verkürzung der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit, um bezahlte und unbezahlte Arbeit gerechter zu verteilen – zwischen jenen, die zu viel und jenen, die zu wenig haben, aber auch zwischen Männern und Frauen.“


Ja zu einer arbeitnehmerInnenorientierten Arbeitszeitflexibilisierung

Tatsächlichen Aufholbedarf sieht Paiha allerdings bei Arbeitszeitflexibilisierungs-Modellen, die sich an Bedarfs- und Lebenslagen von ArbeitnehmerInnen orientieren. Paiha: „Was immer noch fehlt, ist ein Recht auf Teilzeit in spezifischen Lebenslagen mit dem Rückkehrrecht zu Vollzeit – etwa zur Weiterbildung oder weil Betreuungspflichten bestehen. Ebenso fehlt immer noch ein Rechtsanspruch auf Inanspruchnahme sozial abgesicherter, zeitlich befristeter beruflicher Auszeiten. Hier bestünde tatsächlich dringender Handlungsbedarf, weil Belastungen und Druck in der Arbeitswelt ständig steigen und der Bedarf nach länger zusammenhängenden Erholungs- oder Umorientierungsphasen steigt.“

Klares Nein zur weiteren Ausweitung täglicher Arbeitszeiten

Ein klares Nein kommt daher von der AUGE/UG zu einer weiteren Ausdehnung täglicher Arbeitszeiten: „Es ist bereits jetzt schwer genug, Arbeit und familiäre bzw. private Verpflichtungen unter einen Hut zu bekommen. Eine weitere Ausweitung täglicher Arbeitszeiten würde einmal mehr die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erschweren und würde einmal mehr auf Kosten der Frauen gehen, weil eine partnerschaftliche Aufteilung der unbezahlten Arbeit zunehmend verunmöglicht würde.“ Der Trend ‚weiblicher‘ Teilzeit und ‚männlicher‘ Vollzeit würde sich verfestigen. Frauen wären weiterhin beruflicher Aufstiegschancen, ausreichender sozialer Sicherheit und ökonomischer Eigenständigkeit beraubt.

„Ohne Arbeitszeitverkürzung und einem neuen, deutlich verkürzten Vollzeitstandard wird es keine gerechtere Verteilung von Arbeit, Einkommen und Chancen geben. Insbesondere die ÖVP ist aufgefordert, endlich ihre Blockadehaltung in dieser Frage aufzugeben, im 21. Jahrhundert anzukommen und ihre Retroforderung nach 12-Stunden-Arbeitstagen fallen zu lassen“ schließt Paiha.